Interviews

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Interview mit DB-Mobil

Neuigkeit vom 25.10.2015

Frau Danielsson, lernt man in Schweden Krimi schreiben schon in der Schule?

Danielsson: So direkt nicht, aber ich erinnere mich, dass es mir in der Grundschule mehr Spaß machte, mir eigene Geschichten auszudenken als andere Dinge zu lernen. Zum Glück hatte meine damalige Lehrerin dafür viel Verständnis. Als ich neulich in alten Sachen herumstöberte, fand ich in einem Schreibheft eine meiner ersten Geschichten, ein Mädchentraum mit Pferden und Abenteuern: Ein Pony wird entführt ... Erst im Rückblick wird mir klar, dass die Story glatt als Krimiplot durchgehen würde.

Herr Voosen, muss man eine Schwedin heiraten, bevor man Schwedenkrimis schreiben kann?

Voosen: Wenn man selbst kein Schwede ist, hilft es jedenfalls ungemein. Ohne meine Frau und unser gemeinsames Leben in Schweden würde ich vielleicht auch schreiben, aber dann wären die Handlungsorte wahrscheinlich eher Bremen oder Hamburg.


Warum eignet sich denn Schweden so besonders gut als Schauplatz für Kriminalromane?

Voosen: Sicher spielt die Atmosphäre, die eindrucksvolle Landschaft eine wichtige Rolle. Dazu kommt die Vorstellung von Schweden als intakter, friedlicher und fortschrittlicher Gesellschaft. Umso reizvoller ist es, die Brüche und Schattenseiten literarisch zu verarbeiten. Danielsson: Uns gefällt die große Tradition des politischen, gesellschaftskritischen Krimis in Skandinavien. Maj Sjöwall und Per Wahlöö sowie Henning Mankell sind insofern sicherlich Vorbilder. Auch wenn die Figuren in unseren Büchern Individuen sind, möchten wir zeigen, dass jeder Mensch in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang steht und handelt, zum Beispiel in der Familie, der Nachbarschaft, der Glaubensgemeinschaft oder dem Arbeitsplatz. Die Idee vom „Bösen an sich“ finden wir dagegen nicht besonders spannend.


Wie sind Sie eigentlich auf Ihr Ermittlerduo gekommen, das aus zwei sehr ungleichen Frauen besteht?

Danielsson: Ganz ehrlich? Wir fanden, dass die Krimilandschaft voll von alten, müden Männern mit Alkoholproblemen ist (lacht). Dazu wollten wir bewusst einen Gegenpol schaffen. Daher zwei Frauen. Voosen: Gleichzeitig ist es uns wichtig, dass unsere Protagonistinnen sich nicht nur mit vermeintlich typischen Frauenfragen auseinandersetzen, zum Beispiel wie man Karriere und Familie miteinander vereinbart, sondern dass sie in erster Linie taffe und kluge Ermittlerinnen sind, die es mit brutalen Verbrechen zu tun haben.


Wie schreibt man überhaupt als Paar gemeinsam, vor allem wenn man zwei verschiedene Muttersprachen hat?

Danielsson: (lacht) Ich wüsste gar nicht, wie man ein Buch allein schreiben sollte! Wir ergänzen uns einfach sehr gut und lassen uns gegenseitig große Freiheiten in den Bereichen, die der andere besser kann. Ich genieße es sehr, wenn wir stundenlang miteinander diskutieren, Ideenfäden sammeln und sie zu Geschichten zusammenweben. Natürlich bedeutet das auch, dass jeder manchmal Kompromisse machen muss, aber bisher waren wir immer beide mit dem Endergebnis zufrieden. Das Schöne ist, dass uns unsere Geschichten und Figuren oft auch im Alltag begleiten. Wir sprechen darüber beim Abendessen und auf Spaziergängen. Ein bisschen sind die Bücher wie unsere Kinder oder die Hauptfiguren wie unsere geheimen Freunde. Voosen: Das Aufeinandertreffen von Schweden und Deutschland, das unsere eigene Beziehung oft bewegt, empfinden wir als große Bereicherung für den Schreibprozess. In den Romanen spiegelt sich dies wohl am deutlichsten in der Figur der Kommissarin Stina Forss wider, einer Deutschschwedin, die von Berlin in die småländische Provinz zieht. Sie ermöglicht uns, ab und zu eine Außenperspektive auf Schweden einzunehmen, bzw. umgekehrt auch mal einen schwedischen Blick auf Deutschland zu werfen.


Ihr Roman spielt in der Provinz, auf drei einsamen, benachbarten Höfen, die nach einem Sturm von der Außenwelt abgeschnitten sind. Was hat Sie denn an dieser besonderen Situation gereizt?

Danielsson: Die Geschichte geht zurück auf eine Orkannacht, die es vor zehn Jahren in Småland tatsächlich gegeben hat: ganze Wälder sind umgeknickt, das Strom- und Telefonnetz brach zusammen, beinahe zwanzig Menschen kamen ums Leben. Häuser und Dörfer waren über Tage von der Zivilisation abgetrennt. Bei unseren Recherchen vor Ort haben wir gemerkt, dass die Spuren dieses Sturms nicht nur in der Landschaft immer noch sichtbar sind, sondern auch in den Erzählungen und Erinnerungen der Anwohner. Uns ist es wichtig, dass wir meine Heimat nicht nur als Kulisse für unsere Krimis nutzen, sondern dass wir die Menschen und ihre Anliegen, Sorgen und Eigenarten, dass wir ihre Kultur ernst nehmen. Voosen: Für die Fantasie von Krimiautoren sind die klaustrophobischen Szenarien, die sich aus so einer Situation des Eingeschlossenseins ergeben können, natürlich eine Steilvorlage. Jean-Paul Sartre oder Agatha Christie haben solche Settings brilliant in Szene gesetzt. Das war ein gedanklicher Anstoß. Wir fanden vor allem die psychologische Dynamik interessant, die sich in einer hermetisch eingeschlossenen Gruppe ergeben kann. Danielsson: Wie Sartre sagte: „Die Hölle, das sind die anderen“
Interview mit dem NDR

Neuigkeit vom 03.02.2014

"Es ist nicht einfach, Kompromisse zu finden"
Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson sind ein aufstrebendes Autoren-Duo. Ihre ersten beiden Schwedenkrimis verkaufen sich sehr gut. Buch Nummer drei mit dem Titel "Aus eisiger Tiefe" ist so gut wie fertig. Es erscheint im September. Die beiden Autoren leben und arbeiten in Hamburg - und sind seit acht Jahren ein Paar. Wie bringen sie Beziehung und Schreiben unter einen Hut? NDR.de hat nachgefragt.
Wie kamen Sie auf die Idee, gemeinsam einen Krimi zu schreiben?
Roman Voosen: Daran ist ein langer Winter in Schweden schuld. Wir haben dort ein Jahr zusammen gelebt, als Kerstin ihr Studium fertiggemacht hat. Und da hatte ich sehr viel Zeit und hab angefangen zu schreiben. Irgendwann war schnell klar, dass es ohne Kerstins Hilfe gar nicht geht. Weil es nicht authentisch gewesen wäre.

Wie teilen Sie sich beim Schreiben auf?

Kerstin Signe Danielsson: Wir sprechen uns ab, wer was schreibt. Aber die Figuren teilen wir nicht auf. Es ist allerdings schon ein bisschen so, dass ich für die Korrekturarbeit bei schwedenspezifischen Sachen zuständig bin und Roman mehr das Sprachliche macht.
Voosen: Was ja auch daran liegt, weil wir auf Deutsch schreiben und nicht auf Schwedisch. Ich spreche auch Schwedisch, aber nicht so gut wie Kerstin Deutsch.

Führen Sie beim Schreiben viele Diskussionen oder streiten sich sogar?

Voosen: Es ist nicht immer einfach, einen Kompromiss zu finden. Da gibt es manchmal wirklich lange Diskussionen. Das Wort Kampf ist vielleicht zu hart, aber es macht den Prozess auf jeden Fall länger und intensiver.
Danielsson: Manchmal ist man zu müde, hat keine Lust oder ist zu empfindlich. Wenn man eine Textstelle geschrieben hat und der andere sagt: 'So geht das gar nicht', dann ist es nicht immer so leicht, das wegzustecken.

Wie wirkt sich das auf Ihre Beziehung aus?

Voosen: Dadurch teilen wir sehr viel Schönes. Zusammen eine Lesung oder eine Lesereise zu machen, macht ja zu zweit viel mehr Spaß als alleine. Das befruchtet unsere Beziehung - eher als dass es ein Stressfaktor wäre.
Danielsson: Und letztlich gehört Schreiben bei uns einfach dazu. Wir haben uns sogar über eine Brieffreundschaft kennengelernt. Die ersten Monate haben wir uns gegenseitig Briefe hin und her geschickt. Da war der nächste Schritt zu sagen: 'Hey, wir schreiben jetzt ein Buch zusammen' gar nicht mehr so groß.
Interview mit "Das Magazin"

Neuigkeit vom 07.09.2012

Frau Danielsson, Sie selbst sind in Växjö aufgewachsen und leben jetzt in Hamburg. Mit der Kommissarin Stina Forss, einer der beiden Hauptpersonen in ihrem ersten Krimi "Später Frost", verhält es sich genau umgekehrt. Sie ist zu Beginn des Buches gerade nach Växjö zurückgekehrt. Ist Stina Forss auch in anderer Hinsicht Ihr Gegenentwurf?

Seit zehn Jahren pendele ich zwischen Schweden und Deutschland. Ich bin sehr viel hin und her gezogen und irgendwie in beiden Ländern zuhause. Was dieses Grenzland ausmacht, was in Deutschland anders ist als in Schweden und umgekehrt, beschäftigt mich viel. Als es klar war, dass wir einen Schwedenkrimi auf Deutsch schreiben wollten, boten gerade diese Erfahrungen Stoff für die Geschichte. Mit Stina Forss ist es möglich, die schwedische Gesellschaft mit einer gewissen Distanz zu beschreiben. Das finde ich spannend und darin finde ich mich selbst wieder. In anderer Hinsicht bin ich wohl nicht so aggressiv und grenzüberschreitend wie Stina Forss. Wenn ich einmal wütend bin, gehe ich lieber Rennradfahren.

Herr Voosen, Sie haben "Später Frost" gemeinsam mit Frau Danielsson geschrieben. Wie sah ihre Arbeitsteilung aus?

Im Rückblick ist es schon ein wenig lustig: Unsere Beziehung hat überhaupt erst durchs Schreiben begonnen, ist aus einer mehr oder weniger zufälligen Brieffreundschaft hervorgegangen. Ganz klassisch, ohne Internet, mit Tinte und Briefpapier. Als wir uns dann das erste Mal wirklich getroffen haben, war schnell klar, dass wir uns wirklich mochten. So sind wir zusammen gekommen. Das einander Schreiben ging weiter, vor allem, weil wir in den ersten Jahren unserer Beziehung über weite Zeitstrecken in verschiedenen Ländern gelebt haben. Irgendwann ist aus dem einander Schreiben ein miteinander geworden, bis es schließlich in einem gemeinsamen Roman gemündet ist. Unsere Arbeitsteilung sieht so aus, dass wir zu allererst unheimlich viel miteinander reden, diskutieren, Ideen austauschen. Beim Schreiben selbst ist Kerstin vielleicht eher für die Figurenzeichnung und die Psychologie zuständig und ich für den Plott, die Atmosphäre und das Dramaturgische. Insofern man das überhaupt voneinander trennen kann. Darüber hinaus lesen wir uns gegenseitig viel vor und überarbeiten dann den Text solange, bis er uns beiden gefällt. Was natürlich auch nicht immer klappt. Dann heißt es Kompromisse zu finden.

Frau Danielsson, je weiter man liest, desto mehr gerät die Lindgren-Idylle und provinzielle Ruhe Smålands in den Hintergrund und die Abgründe unserer Gesellschaft tun sich auf. Haben Sie mit diesem Bild bewusst gespielt?

Schweden ist für mich natürlich zuerst einmal Alltag: Familie, Freunde, Studium, Arbeit, aber auch Politik und gesellschaftliche Auseinandersetzungen. Das Schwedenbild, das ich in Deutschland überwiegend vorfinde, beruht auf Astrid Lindgrens Büllerbüidylle und entspannten Urlaubswochen. Dazwischen liegen Welten. In unserem Roman wollte ich dieses Schwedenklischee in Frage stellen und von Menschen erzählen, die auch vor und nach der Hochsaison in der Provinz klarkommen müssen, was nun nicht unbedingt das Spannendste ist. Dazu kommt, dass es in Schweden oft eine unglaubliche Selbstgerechtigkeit herrscht: Ob moralisch, politisch, sportlich oder ökonomisch, man misst sich immer mit der ganzen Welt und empfindet sich meistens überlegen. Um ehrlich zu sein: Dieses Selbstbild benötigt ab und zu ein paar Kratzer.

Herr Voosen, ein Dreamteam sind die Kommissarinnen Ingrid Nyström und Stina Forss in diesem ersten Band ja nicht gerade. Wird sich das in den Folgebänden, an denen Sie ja schon arbeiten, ändern?

Die beiden sind wohl eher eine Art Schicksalsgemeinschaft als ein Traumpaar, trotzdem ergänzen sie sich auf verschiedene Weise. Nyström glaubt in ihrer zögerlichen, bedächtigen Art an das Gute im Menschen, respektiert Regeln und Gesetzte. Forss dagegen ist fordernder, ungestümer. Beim Fußball würde man sagen: Sie geht dahin, wo es wehtut. Ohne Rücksicht auf sich oder andere. Irgendwie sind die beiden ein bisschen wie Kommissar Beck und Gunvald Larsson: Man könnte sagen: Stina Forss ist Nyströms Geheimwaffe, auch wenn sich Nyströms Einfluss auf Forss in bescheidenen Grenzen hält. Im Grunde ist Stina ein atomkopfbestückter Marschflugkörper außer Kontrolle.
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